Familien- und Paartherapie

image Sehen wir zunächst, was die Familientherapie überhaupt bedeutet.

Familientherapie - oder richtiger gesagt, die vielen verschiedenen Formen der Familientherapien - gehen von dem Gedanken aus, dass im Fall einer seelischen Störung oder eines tiefgehenden Konfliktes nie ein Einzelner betroffen ist, sondern das ganze System der Familie. Diese, im Grunde nahe lliegende, psychologische Erkenntnis wurde zunächst aus der Kinder- und Jugenpsychologie gewonnen. Dort bemerkte man schon in den fünfziger Jahren, dass der Behandlungserfolg von traumatisierten oder psychisch auffäligen Kindern gering war, wenn deren Umfeld nicht auch "mittherapiert" wurde. Darüber hinaus ergabsich oft die paradoxe Situation, dass Familienangehörige bewusst oder unbewusst die Behandlung des Kindes sabotierten. Eine mögliche Erklärung für die Unkooperativität der Eltern war die, dass das "gestörte Kind" im System der Familie einen besonderen Platz inne hat, also eine soziale Rolle, die sogar zum Zusammenhalt der Familie beiträgt. Ein ständiger "Störfaktor" lenkt nämlich von Problemen der Eltern, oft von Eheproblemen, aber auch von Generationsproblemen ab. Ein guter Therapieerfolg beim Kind könnte dessen Familie tatsächlich bedrohlich aus dem Gleichgewicht bringen; manche Familienstrukturen waren innerlich nicht darauf eingestellt, plötlich wieder ein gesundes, funktionierendes Mitglied statt einer Person in der Krankenrolle zu erleben. Oft handelnden Eltern auch manipulativ, indem sie das Kind als Stellvertreter für eigene Probleme benutzen. Um all diese Schwierigkeiten zu entgehen, die sich in der therapeutischen Sorge um die kleinen Patienten ergaben, erfand man daher die Familientherapie, die nicht mehr nur das "problematische" Kind in den Vordergrund stellte, sondern das gesamte familiäre Umfeld mit einbezog. Man begann, das Kind als Indikator für eine gestörte Familienstruktur zu begreifen - eine Idee, die sich in der Folgezeit oft als zutreffend erwiesen hat. Gerade in Fällen von plötzlichen Schulschwierigkeiten intelligenter Kinder, massiven Essstörungen, Drogensucht oder jugendlicher Kriminalität hat sich die Familientherapie als probates Mittel bewährt, um den jungen Menschen dauerhaft aufzuhelfen und das System Familie insgesamt auf ein besseres, vertrauensvolleres Niveau zu bringen.Viele Eltern sind sich ihrer Mitverantwortung für die Probleme ihrer Kinder - die oft auch ihre eigene Probleme sind - heute stärker bewusst als früher. Auch dies ist ein Grund für die hohe Nachfrage nach Familientherapie.